Mittwoch 18. Oktober 2017

Aleviten jetzt anerkannte Religionsgesellschaft

 

Neuer Rechtsstatus der Islamischen Alevitischen Glaubensgemeinschaft "Alevi"
 

Wien, 23.5.2013 (KAP) Die Anhänger der Islamischen Alevitischen Glaubensgemeinschaft ("Alevi") sind jetzt in Österreich offiziell anerkannte Religionsgesellschaft. Über ein am Mittwoch ausgegebenes entsprechendes Bundesgesetzblatt haben die Aleviten in einer Aussendung am Donnerstag informiert. "Mit dieser rechtlichen Anerkennung und Gleichstellung mit anderen Religionen hat Österreich Geschichte geschrieben", heißt es darin.

 

Mit der offiziellen Bestätigung sind die Aleviten die jüngste der nunmehr insgesamt 15 anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich. Die letzte derartige Anerkennung betraf 2009 "Jehovas Zeugen in Österreich". Die Aleviten hätten somit künftig u.a. die Möglichkeit für einen regulären Religionsunterricht.

 

Die nach eigenen Angaben rund 80.000 Angehörigen der Glaubensgemeinschaft "Alevi" feiern die Anerkennung am kommenden Sonntag ab 13 Uhr im "Mozaik Eventcenter" in Wien-Floridsdorf. Vertreter anderer Religionsgemeinschaften und der Politik wurden eingeladen. Zusagen gebe es vom Wiener Weihbischof Franz Scharl in Vertretung von Kardinal Christoph Schönborn sowie von den Regierungsmitgliedern Ministerin Claudia Schmied und Staatssekretär Sebastian Kurz, hieß es.

 

Die "Alevi" bekennt sich in der Aussendung zur österreichischen Rechtsordnung mit seiner Trennung von Religion und Staat. Die gleichberechtigte Behandlung der Aleviten mit Sunniten und Schiiten sei ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Integration der Muslime in Österreich und ganz Europa. Für Europa gibt "Alevi" die Gläubigenzahl mit zwei Millionen an, dazu kämen rund 25 Millionen in der Türkei und weltweit 80 Millionen Aleviten. Der neue Rechtsstatus biete die Möglichkeit, mit den verschiedenen Ausrichtungen des Islam und auch mit anderen Glaubensgemeinschaften in einen gleichberechtigten Dialog zu treten. Dieser solle auch auf EU-Ebene fortgeführt werden, so die "Alevi".

 

Bereits Anfang April wurde seitens des zuständigen Ministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur (BMUKK) mitgeteilt, dass alle Kriterien für die volle Anerkennung der Aleviten als Religionsgesellschaft erfüllt seien. Einen entsprechenden Antrag gab es seit 2010. In den Erläuterungen zum Gesetzestext wird zu den Erfordernissen festgehalten, dass das Alevitentum über den nötigen Bestand seit mindestens 100 Jahren verfügt und in Österreich seit zumindest 20 Jahren als Kulturvereine aktiv ist, wo auch die Religionsausübung geschieht. Aus dem "mit Originaldokumenten unterlegten Mitgliederverzeichnis" gehe hervor, dass "Alevi" in Österreich insgesamt 17.351 Mitglieder hat und daher die derzeit geltende Mindestmitgliederzahl von 16.861 übersteigt.

 

Weiters wird anerkannt, dass die Religionsgemeinschaft über die nötige "positive Grundeinstellung gegenüber Gesellschaft und Staat" verfüge. Zudem gebe es keine gesetzwidrige Störung des Verhältnisses zu anderen bestehenden Kirchen und Religionen.

 

Unterschiedliche Strömungen unter Aleviten

 

Die Anerkennung von "Alevi" ist von Unstimmigkeiten unter den verschiedenen Strömungen des Alevitentums begleitet. "Alevi" selbst geht aus dem "Kulturverein der Aleviten in Wien" hervor, der sich dann als "Islamische Alevitische Glaubensgemeinschaft in Österreich" (IAGÖ) neu konstituiert hat und in der Folgen den Status eine "religiösen Bekenntnisgemeinschaft" erhielt. Religiös gesehen wird diese Gruppe zum liberalen Teil der Schia gezählt.

 

Eine anderer Teil der Aleviten wird durch die "Förderation der Aleviten-Gemeinden in Österreich" repräsentiert. Auch diese Gruppe wollte des Status einer "religiösen Bekenntnisgemeinschaft" erreichen. Das Ministerium entschied aber negativ und die entsprechende Berufung der Föderation liegt derzeit zur Behandlung beim Verwaltungsgerichtshof.

 

Schließlich gibt es als dritte Gruppe die sogenannten "Altaleviten", der viele Kurden angehören und religiös nicht mehr als Teil des Islam gelten. Auch diese Gruppe hat den Status einer "religiösen Bekenntnisgemeinschaft" beantragt. Das diesbezüglich Verfahren ist aber noch offen, hieß es dazu seitens des Ministeriums im April gegenüber "Kathpress".

 

Quelle: Kathpress


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/