Samstag 24. Juni 2017

Koptisch-orthodxe Kirche

 

 

Geschichte

 

Die Koptisch-orthodoxe Kirche ist die erste Kirche in Afrika, deren Mitglieder sich in der Tradition der Nachfolge der Pharaonen sehen. Sie führt ihre Entstehung auf den Apostel Markus zurück, der die Kirche im Jahr 61 in Alexandrien gründete. Die Kirche in Ägypten gilt auch als die Wiege des christlichen Mönchstums. Der Heilige Antonius der Große begründete dort die Tradition des Mönchstums und legte mit den Geboten der Keuschheit, des Gehorsams und der freiwilligen Armut auch die Grundpfeiler des mönchischen Lebens fest. Von Ägypten aus verbreitete sich diese Lebensform in der ganzen Welt.

 

Der Koptisch-orthodoxen Kirche gehörte auch der Heilige Athanasios, Patriarch von Alexandria und bedeutender Kirchenlehrer an, der das von allen Christen der Welt anerkannte nicaenische Glaubensbekenntnis festlegte und den Häretiker Arian bekämpfte. Im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus wurde die Koptisch-orthodoxe Kirche zu einer Märtyrerkirche. Die Situation besserte sich erst im vierten Jahrhundert in der Ära Konstantins des Großen.

 

Mit dem Konzil von Chalkedon 451, das den Monophysitismus als Irrlehre verurteilte, haben sich die orientalisch-orthodoxen Kirchen, zu denen auch die Koptisch-orthodoxe Kirche zählt, von der westlichen Kirche abgespalten. Die Koptisch-orthodoxe Kirche behielt ihre Lehre von der vollkommenen Einheit der zwei vollkommenen Naturen Christi, der göttlichen und der menschlichen, bei. Die Koptisch-orthodoxe Kirche steht mit den anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen in voller kirchlicher und sakramentaler Gemeinschaft. Im siebenten Jahrhundert zählten die Kopten bereits circa sieben Millionen Christen in Ägypten.

 

Erst im 20. Jahrhundert hat sich die fast 2000-jährige Koptisch-orthodoxe Kirche über Ägypten hinaus geöffnet und zu einer Weltkirche gewandelt. Zur Betreuung der koptischen Emigranten wurden eine weltumspannende kirchliche Hierarchie eingerichtet und etwa 150 Kirchen gegründet – in Europa, in den USA, in Kanada und in Australien.

 

Die Koptisch-orthodoxe Kirche befolgt die sieben Sakramente der Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Priesterweihe, Ehe und Krankensalbung. Die Taufe wird üblicherweise als Säuglingstaufe unter dreimaligem Eintauchen in geweihtes Wasser gespendet. Das Kirchenjahr beginnt nach dem koptischen Kalender am 12. September und wird von sieben großen Festen geprägt: Weihnachten (am 7. Jänner), Epiphanie, Verkündigung des Herrn, Palmsonntag, Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Große Bedeutung kommt auch der Verehrung der Jungfrau Maria, der Apostel, Märtyrer und anderer Heiligen zu.

 

Im 20. und 21. Jahrhundert kam es durch Papst Kyrillos IV. zu einer Erneuerung der Koptischen Kirche. 1971 markierte der Amtsantritt von Papst-Patriarch Schenouda III., der seinen Sitz in Kairo hat, den Beginn einer Goldenen Ära: Seither ist nicht nur die Zahl der Gläubigen in der Koptischen Kirche, sondern auch der Nachwuchs in den Klöstern, Kirchen und theologischen Hochschulen gestiegen. Heute umfasst die Koptisch-orthodoxe Kirche weltweit mindestens 12 Millionen Menschen.

 

Entwicklung in Österreich

 

In Österreich besteht seit 1976 eine koptische Kirchengemeinde, die von Pater Johannes Elbaramosy geleitet wurde. Zu seinen Aufgaben gehörte auch die Betreuung der Kopten in der Schweiz, Dänemark und Deutschland. Damals gab es nur wenige koptische Familien, die in den 1960er Jahren, meist als Studierende oder Geschäftsleute, nach Österreich gekommen waren. In den ersten Jahren waren die Kopten zuerst Gäste in der griechischen Kirche, dann bei der katholischen Kirche in der Wagramer Straße im 22. Wiener Gemeindebezirk. Eine enge Beziehung konnte Pater Johannes besonders zum Schottenstift aufbauen, in dessen Kloster er 25 Jahre als Gast lebte und auch seine koptischen Gemeindemitglieder empfangen konnte.

 

Heute umfasst die koptische Gemeinde in Österreich einige tausend Gläubige, die vor allem in Wien und Graz, aber auch in Linz, Klagenfurt und Salzburg beheimatet sind. Seit dem Jahr 2000 wird sie von Bischof Gabriel geleitet, zu dessen Seelsorgebereich neben Österreich auch die Ostschweiz gehört. Er betreut die österreichische Gemeinde zusammen mit fünf Priestern.

 

Durch die wachsende Zahl der Gläubigen wurde auch das Bedürfnis nach einem eigenen Kirchenbau immer stärker. Am 25. April 1998 konnte von Papst-Patriarch Schenouda III. im Rahmen einer feierlichen Zeremonie der Grundstein für die Kirche in der Quadenstraße 4-6, im 22. Wiener Gemeindebezirk, gelegt werden. Wie es der Tradition der Kopten entspricht, vereint der Bau östliche und westliche Kunst. Die besondere Atmosphäre entsteht durch das Erbe der pharaonischen Kultur – in der Kunst sehen sich die heutigen Kopten als die Nachfahren der Pharaonen. Pharaonische Kunst lebt in den koptischen Klöstern, Kirchen, Gemälden, Fresken, Ikonen und Holzarbeiten weiter; die koptischen Hymnen gehen auf pharaonische Melodien zurück, die mit neuen Inhalten versehen wurden. So ist die Musik der Pharaonen in der koptischen Kirche lebendig geblieben.

 

Auch in Graz konnten sich die Kopten durch den Umbau einer alten Fabrik in der Wiener Straße 246 eine eigene Kirche schaffen.

 

Da das Mönchstum in der koptischen Glaubensgemeinschaft eine zentrale Rolle spielt, erwarb die koptische Gemeinde im November 2001 Schloss Obersiebenbrunn (Niederösterreich), welches sich ehemals im Besitz von Prinz Eugen befand. Dort sollen nicht nur ein Kloster, sondern ein ökumenisches Begegnungszentrum und eine Theologieschule entstehen.

 

Auch die rechtliche Lage der Koptisch-orthodoxen Kirche in Österreich wurde verbessert. Im April 2003 trat das Gesetz über die „äußeren Rechtsverhältnisse der Orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich“ („Orientalisch-orthodoxes Kirchengesetz“) in Kraft, in welchem der Koptisch-orthodoxen Kirche die Stellung einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zuerkannt wurde. Damit wurde eine einheitliche Rechtsgrundlage für die orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich geschaffen und somit die Koptisch-orthodoxe Kirche den beiden anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen in Österreich, nämlich der Armenisch-apostolischen und der Syrisch-orthodoxen Kirche, gleichgestellt.

 

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/