Samstag 19. August 2017

Islamische Glaubensgemeinschaft 

 

 

Der Islam, eine der größten Religionen der Welt mit derzeit über einer Milliarde Anhängern, ist in Österreich, nach der Römisch-katholischen und der Evangelischen Kirche, mit rund 339.000 Angehörigen (lt. Volkszählung 2001) die drittgrößte Religionsgesellschaft; er ist seit 1912, auf Grund des Islamgesetzes, staatlich anerkannt. Die erste islamische Religionsgemeinde wurde 1980 konstituiert.

 

Im Jahr 1964 setzt sich der Verein Moslemischer Sozialdienst unter anderem auch die formelle und materielle Vorbereitung einer islamischen Religionsgemeinde zum Ziel.

1979 genehmigte das Bundesministerium für Unterricht und Kunst die Errichtung der ersten Wiener islamischen Religionsgemeinde und die vorgelegte Verfassung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

 

Auf Grund dieser Verfassung wurden die ersten Organe der Islamischen Glaubensgemeinschaft gewählt. Diese Verfassung umfasst die Sprengel:

  • der Islamischen Religionsgemeinde in Wien (Wien, Niederösterreich und Burgenland
  • der Islamischen Religionsgemeinde Graz (Steiermark und Kärnten)
  • der Islamischen Religionsgemeinde Linz (Oberösterreich und Salzburg)
  • der Islamischen Religionsgemeinde Bregenz (Vorarlberg und Tirol)

 

Die Organe der Islamischen Glaubensgemeinschaft sind:

a) für jede Religionsgemeinde:

  • die Gemeindeversammlung
  • der Gemeindeausschuss,
  • der erste Imam;

 

b) für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich:

  •  der Schurarat,
  •  der Oberste Rat,
  •  der Mufti.

 

Die Zielsetzungen der Islamischen Glaubensgemeinschaft sind die Wahrung und Pflege der Religion unter den Anhängern des Islams. Alle Organe und Angestellten der Islamischen Glaubensgemeinschaft müssen über eine angemessene religiöse Bildung verfügen und sollen die deutsche Sprache gut beherrschen.

 

Die angemessene religiöse Bildung besteht darin, sowohl selbst die islamischen Vorschriften möglichst tadellos zu erfüllen als auch andere bei der Erfüllung dieser Vorschriften zu beraten, zu belehren und zu deren Befolgung zu veranlassen.

 

Der Gemeindeausschuss besteht aus acht Mitgliedern und wird für die Dauer von vier Jahren von der ordentlichen Gemeindeversammlung gewählt. Die von der ordentlichen Gemeindeversammlung gewählten Mitglieder des Gemeindeausschusses wählen unmittelbar danach den Vorsitzenden, den Generalsekretär und den Kassier sowie deren Stellvertreter mit einfacher Stimmenmehrheit. Diese Wahl bedarf der Genehmigung des Obersten Rates. Der Schurarat ist das oberste Organ der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Er besteht aus mindestens sechzehn Mitgliedern.

 

Dem Schurarat gehören mit beschließender Stimme die Vorsitzenden, Generalsekretäre, Kassiere und die ersten Imame jeder Religionsgemeinde an. Die restlichen Mitglieder werden von den Gemeindeausschüssen entsprechend der Anzahlstärke der Gemeindemitglieder gewählt. Der Oberste Rat ist das Ausführungsorgan des Schurarates. Er besteht aus zehn Mitgliedern, welche vom Schurarat gewählt werden. Die Hälfte der Mitglieder muss im Besitz einer angemessenen religiösen Bildung sein. Der Mufti gehört dem Obersten Rat mit beratender Stimme an.

 

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich wird nach außen durch den Vorsitzenden des Obersten Rates vertreten. Er ist gleichzeitig Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich. Der Mufti entscheidet über religiöse Fragen in der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Er wird von den Mitgliedern des Schurarates mit einfacher Mehrheit gewählt. Er muss die erforderlichen religiösen und bildungsmäßigen Voraussetzungen besitzen.

 

Eine der wichtigsten Aufgaben der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich ist die Erteilung des islamischen Religionsunterrichtes für die ca. 55.000 Schüler. Die rund 430 Lehrerinnen und Lehrer, die von der Islamischen Glaubensgemeinschaft bestellt werden, erhalten vom österreichischen Staat eine Vergütung für ihre Lehrtätigkeit. Die Islamische Glaubensgemeinschaft sieht von der Einhebung einer Kultusabgabe ab, obwohl sie keine staatlichen Subventionen erhält. Wien ist auch ein Treffpunkt mehrerer internationaler islamischer Konferenzen. So fanden hier 1986 die Tagung der Moslemischen Weltliga und 1988 die größte islamische Tagung zur Behandlung der Probleme der Moslems in Europa statt.

 

Anlässlich der Ernennung der Stadt Graz zur europäischen Kulturhauptstadt im Jahr 2003 fand eine Konferenz der Leiter islamischer Zentren und Imame in Europa statt. Zum Anlass der österreichischen Präsidentschaft in der EU organisierte die IGGiÖ in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten und der Stadt Wien 2006 eine Konferenz der europäischen Imame sowie der Seel-sorgerinnen und Seelsorger. Beide Konferenzen verabschiedeten bedeutende Schlusserklärungen, die große Beachtung sowohl in Europa als auch in der islamischen Welt fanden.

 

Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich versteht sich allerdings in erster Linie als eine bodenständige österreichische Institution. Sie bemüht sich um die Anliegen der Muslime in Österreich, will aber ihren Beitrag zur Realisierung der multireligiösen und multikulturellen Gesellschaft in Österreich durch den Dialog und die aktive Zusammenarbeit mit den anderen staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften leisten.

 

Vor allem unterstützt die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich die Bemühungen zur Verwirklichung der Integration der muslimischen Gemeinde in der österreichischen Gesellschaft unter Bewahrung der eigenständigen, religiösen und kulturellen Identität. Die Islamische Glaubensgemeinschaft fühlt sich mit der weltweiten islamischen Gemeinschaft auf das Engste verbunden, will auch freundschaftliche Beziehungen mit den islamischen Ländern unterhalten, ohne aber je in ein Abhängigkeitsverhältnis zu irgendeinem ausländischen Staat zu geraten.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/