Samstag 19. August 2017

Buddhistische Religionsgesellschaft 

 

Der Buddhismus, der auf eine über 2.500 Jahre alte Tradition zurückblickt, ist eine der großen Weltreligionen.

 

Weg und Ziel im Buddhismus

 

Ziel des Buddhismus ist das Erwachen bzw. das Erlangen des Buddha-Zustands. Damit ist einerseits völlige Leidfreiheit und andererseits das Entfalten aller dem Geist innewohnenden Qualitäten gemeint. Um dieses Ziel erreichen zu können, bedarf es zunächst der Auseinandersetzung mit unserer derzeitigen Situation, wes-halb sich die ersten beiden Aussagen des Buddha auf den Ist-Zustand bezogen, nämlich die „Wahrheit des Leidens“ und die „Wahrheit der Ursache des Leidens“. In einer Art Bestandsanalyse unserer Welt zeigte er damit auf, wie sehr unser Leben von Unzufriedenheit und Problemen geprägt ist und dass die Ursache für dieses gesamte Leid in unserem eigenen Nicht- bzw. Missverstehen der „Wirklichkeit“ liegt. Buddha machte deutlich, dass diese falsche Auffassung der eigenen Person und der uns umgebenden Welt zu Leid bringenden Geisteszuständen und entsprechenden Verhaltensweisen führt.

 

Negative Handlungen und die Eindrücke, die sie im Geist hinterlassen, ziehen ihrerseits erneut Leid und Probleme nach sich. Diese Gesetzmäßigkeit, die jeder Handlung zu Eigen ist, wird mit dem Sanskritwort „Karma“ bezeichnet. Karma bedeutet „Handlung“ und bezieht sich darauf, dass auf jede Handlung eine Wirkung folgt, die der Natur der Handlung entspricht. So haben positive Handlungen Freude und Glück, negative Handlungen hingegen Leid und Probleme zur Folge. Die Gesetzmäßigkeit von Karma bedeutet also nicht, einem vorbestimmten Schicksal ausgeliefert zu sein. Vielmehr sind wir selbst diejenigen, die bestimmen, wie es uns geht, denn mit unserer Einstellung und jeder einzelnen Handlung beeinflussen wir unser Karma, d. h. wir schaffen neues Karma und gestalten somit ständig die Qualität unseres Lebens.

 

Im Rahmen der falschen Vorstellungen, die der Einzelne von sich selbst und der äußeren Welt hat, stellt er seine ganz persönliche Beziehung zu allem her, was ihm widerfährt. Er vermag auch alles nur im Licht seiner eigenen subjektiven Erfahrungen zu erleben: Er ist in seiner Erlebniswelt gefangen. Dieser Prozess, der sich von Leben zu Leben fortsetzt, wird als bedingter Existenzkreislauf bezeichnet.

 

Das Erkennen der Zusammenhänge unserer gegenwärtigen Situation geht mit dem Verständnis einher, dass man selbst über das Potential des Buddha-Zustands verfügt. Mit der „Wahrheit des Aufhörens von Leid“ und der „Wahrheit des Weges“, der dritten und vierten der „Vier Edlen Wahrheiten“, deutete Buddha auf dieses Ziel der Erleuchtung hin und zeigte auf, dass jede bzw. jeder Einzelne fähig ist, ihr bzw. sein Missverständnis der eigenen Person und der Umwelt sowie ihre bzw. seine Fehler zu überwinden.

 

Der Weg zu diesem Ziel besteht grundsätzlich darin, durch richtiges Verhalten, Meditation und Weisheit den eigenen Geist „in den Griff zu bekommen“. Mit Hilfe von Meditation und bewusst positivem Verhalten vertiefen wir einerseits Liebe und Mitgefühl für alle Wesen und andererseits die Einsicht in die Natur der Dinge. Dies führt allmählich zum Abschwächen der Ich-Zentriertheit sowie des damit verbundenen Leids und letztlich zum Erlangen des Buddha-Zustands.

 

Meditation und Achtsamkeit sind die Werkzeuge, die für das Geistestraining verwendet wer-den. Unser Geist wird dadurch klarer, und wir erkennen allmählich seine unbegrenzte Natur. Mit diesem Bewusstwerden wächst auch die Fähigkeit, uns selbst, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt der Wirklichkeit entsprechend zu sehen und uns von den verschiedenen Vor-stellungen, Interpretationen, Hoffnungen und Ängsten, die eine solche direkte Wahrnehmung behindern, zu lösen.

 

Positives Verhalten, d. h. Handlungen, die mit der Motivation gesetzt werden, anderen und uns selbst Gutes zu tun, unterstützen dabei unsere geistige Entwicklung. Sie schaffen ein harmonisches Leben und die Grundlage für jene innere Stärke, die für die Praxis der Meditation wichtig ist.

 

In seiner Lehre analysierte der Buddha zuerst unsere Welt und ihre Gesetzmäßigkeit und zeigte, darauf aufbauend, einen Weg auf, der es der bzw. dem Einzelnen ermöglicht, mit ihrem bzw. seinem Geist zu arbeiten, durch wachsende Erkenntnis und positives Verhalten das Leid zu überwinden und die Fähigkeit zu entwickeln, anderen zu helfen. Es ist ein Weg der völligen Eigenverantwortlichkeit: Der Buddha hat lediglich Ratschläge für den Weg gegeben, und es hängt von der bzw. dem Einzelnen ab, ob er diese in seinem Leben auch berücksichtigen möchte.

 

Das „Grundgerüst“ des Buddhismus – die „Vier Edlen Wahrheiten“ – ergänzte der Buddha während seiner fünfundvierzigjährigen Lehrtätigkeit mit zahlreichen Unterweisungen zu den verschiedensten Themen und Lebensfragen. Innerhalb dieser Fülle an Lehren heben die unterschiedlichen buddhistischen Traditionen jeweils bestimmte Elemente besonders hervor.

 

Diese Vielfalt in Lehrdarlegung, Ausübung und Meditation entspricht der Vielfalt der Menschen. Welche buddhistische Tradition es aber auch sein mag, es wird in allen das gleiche Ziel angestrebt: Das Entfalten der inneren Fähigkeiten, das Entwickeln von Liebe und Mitgefühl, das Erlangen von Geistesruhe und Erkenntnis sowie letztendlich das Verwirklichen des Buddha- Zustands, das volle Entfalten des einem jeden Menschen innewohnenden Potentials.

 

Buddhismus in Österreich

 

Die Wurzeln des Buddhismus in Österreich reichen bis zur Jahrhundertwende zurück, als Karl Eugen Neumann (1865-1918) den ersten buddhistischen Zirkel in Österreich gründete. Von1938 bis 1945 wurde jegliche buddhistische Tätigkeit in Österreich untersagt. Den Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten zunächst kleine private Kreise, die sich dann Mitte der 1950er-Jahre zur Buddhistischen Gemeinschaft zusammenschlossen. Diese Entwicklung führte schließlich zur staatlichen Anerkennung der Buddhisten als Religionsgesellschaft unter der Bezeichnung „Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft“ (ÖBR) im Jahre 1983.

 

Einrichtungen und Struktur der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft

 

Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft dient der Sammlung aller sich zu dieser Religion bekennenden in Österreich lebenden In- und Ausländerinnen bzw. In- und Ausländer. Ihre Organe sind: Das Präsidium, der Sangharat, die Gemeindeversammlung der buddhistischen Gemeinde und das Schiedsgericht.

 

Das Präsidium leitet die Belange der ÖBR und vertritt diese auch nach außen. Es besteht aus einer Präsidentin/einem Präsidenten, zwei Vizepräsidentinnen/Vizepräsidenten und der Generalsekretärin/dem Generalsekretär, welche/welcher die administrativen und finanziellen Aufgaben der ÖBR wahrnimmt, sowie der Vertreterin/dem Vertreter der Buddhistischen Gemeinde. Das Präsidium ist dem Sangharat berichtspflichtig und wird alle fünf Jahre von den Mitgliedern der ÖBR gewählt.

 

Der Sangharat (SR) ist das größte entscheidungsbefugte Organ der ÖBR, in ihm sind sowohl die Orden, Dharmagruppen, Anstalten und Stiftungen wie auch das Präsidium und die Vertreter der buddhistischen Gemeinden mit Stimme vertreten.

 

Der Sangharat tagt mindestens viermal im Jahr, seine Aufgaben sind: Die Aufnahme von Orden und Gruppen, die Bestellung der Religionslehrer sowie die Erstellung des Ausbildungsplanes, verfassungsrechtliche Angelegenheiten, Gefangenenbetreuung, Bewilligung der Budgetplanung und vieles mehr.

 

Die Tätigkeit der SR-Vertreterinnen und Vertreter erfolgt ehrenamtlich. Ähnlich wie die Angehörigen des Präsidiums sind sie dazu verpflichtet, einen Lebenswandel zu führen, der mit den Zielen des Buddhismus im Einklang steht.

 

Die buddhistische Gemeinde umfasst alle Mitglieder der Religionsgesellschaft, welche in der jeweiligen Region ihren ordentlichen Wohnsitz haben. Die Gemeinde erteilt Informationen über die Lehre, organisiert Veranstaltungen und betreut ihre Mitglieder in religiösen Belangen, außerdem hilft sie bei der Koordination und Kommunikation der einzelnen Repräsentanzen der ÖBR, die in fast allen Bundesländern ehrenamtlich eingesetzt wurden, um allen am Buddhismus Interessierten und auch den buddhistischen Gruppen bestmögliche Unterstützung bieten zu können. In der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft vereinen sich 29 Orden, Dharmagruppen und buddhistische Institute aller Richtungen des Buddhismus.

 

 

Theravada – Buddhismus

  • Buddha Rattana Pratheep Tempel Graz
  • Theravada Schule
  • Sayagyi U Ba Khin

 

Mahayana – Buddhismus

  • Bodhidharma Zendo
  • Daishin Zen Österreich
  • Fo Guang Shan
  • Friedens-Stupa-Institut
  • Lotus Sangha
  • Senkozan Sanghe Nembutsu Do
  • Nipponzan Myohoji
  • Österreich Soka Gakkai International
  • PuFa Meditationszentrum Linz
  • Puregg - Haus der Stille
  • Shaolin Kulturverein

 

Vajrayana – Buddhismus

  • Drikung Kagyud Orden
  • Karma Kagyü Österreich
  • Karma Kagyü Sangha
  • Karma Samphel Ling
  • Ligmincha Österreich
  • Maitreya Institut Gutenstein
  • Österreichische Dzogchen Gemeinschaft
  • Palpung Yeshe Chökhor Ling
  • Panchen Losang Chogyen Gelug
  • Rangjung Yeshe Gomde
  • Shambhala Meditationszentrum
  • She Drup Ling Graz
  • Thekchen Dho-ngag Choeling

 

Traditionsübergreifende Praxisorte

  • Buddhistische Gemeinschaft Salzburg
  • Buddhistisches Zentrum Scheibbs

 

Orden sind religiöse buddhistische Gemeinschaften, die innerhalb einer authentischen Lehr- und Übungstradition stehen. Dharmagruppen sind religiöse buddhistische Gemeinschaften, die auf Grund der besonderen kulturellen Situation der europäischen Menschen entstanden. Weitere Einrichtungen sind Anstalten wie das Buddhistische Zentrum Scheibbs und Stiftungen.

 

Jeder einzelne Orden und jede einzelne Gruppe hat das Recht eine Vertreterin bzw. einen Vertreter in den SR zu entsenden. Sie stellen so den größten Teil des Sangharates. Die Orden, Dharmagruppen und Anstalten sind in spiritueller Hinsicht autonom und regeln das religiöse Leben ihrer Mitglieder entsprechend ihrer jeweiligen Lehrauffassung und Tradition.

 

Der Verein „Mobiles Hospiz der ÖBR“ betreut seit ca. 2006 Menschen in der letzten Phase ihres Lebens, ungeachtet ihrer religiösen Ausrichtung und Herkunft, sowohl zu Hause als auch in stationären Einrichtungen. Er organisiert sowohl pflegerische als auch andere zusätzliche Betreuungsangebote, entlastet Angehörige, um diese vor einem möglichen Kräfteverlust zu bewahren und begleitet sie in ihrer Trauer.

 

Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft ist international im Rahmen der „Europäischen Buddhistischen Union“ und als Mitglied der „World Fellowship of Buddhists“ tätig.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/