Samstag 24. Juni 2017

Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich

 

Die methodistischen Kirchen erwuchsen aus einer religiösen Erneuerungsbewegung inner-halb der anglikanischen Kirche im 18. Jahrhundert. Der Initiator dieser Bewegung war der anglikanische Pfarrer und Theologieprofessor aus Oxford, John Wesley (1703-1791). Er führte eine überaus wirksame missionarische Tätigkeit in England, Irland, Schottland und Wales durch. Bedingt durch die Aufklärung und die beginnende industrielle Revolution befand sich England in einem Zustand eines tiefgreifenden sozialen und gesellschaftlichen Wandels. John Wesley wandte sich vor allem an die sozial schwache Arbeiterbevölkerung, der die Kirche nichts mehr zu sagen hatte. Er predigte auf den Straßen, Plätzen und auf offenem Feld. Zentralthema seiner Verkündigung war der Aufruf zu einem geheiligten Leben in Liebe und Dienst an den Mitmenschen. Wesleys beständiger Kampf für die Beseitigung sozialer Missstände blieb für den Methodismus bis heute bestimmend. So trug Wesley zum Beispiel wesentlich dazu bei, dass England als erstes Land den Sklavenhandel durch einen Parlamentsbeschluss untersagte.

 

Die religiöse Erneuerungsbewegung innerhalb der anglikanischen Kirche wurde im Jahre 1784 in den neu gegründeten Vereinigten Staaten eine selbständige Kirche. Zu Weihnachten 1784 konstituierte sich in Baltimore mit Zustimmung John Wesleys die „Methodist Episcopal Church“ (Bischöfliche Methodistische Kirche). Die methodistische Bewegung breitete sich rasch in der ganzen Welt aus. Als John Wesley 1791 starb, gab es 135.000 Methodistinnen und Methodisten. Im Jahr 2000 umfasste die methodistische Glaubensgemeinschaft 70 Millionen Menschen in 130 Ländern. Die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich ist Teil der „United Methodist Church“ (so lautet die weltweit offizielle Bezeichnung der Evangelisch-methodistischen Kirche).

 

Die United Methodist Church ist in vielen Ländern der Welt vertreten und Teil der Kirche Jesu Christi, zu der sie sich gemeinsam mit allen Christinnen und Christen im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennt. Darum kann jeder ohne Rücksicht auf Rasse, Hautfarbe, nationale Herkunft und wirtschaftliche Stellung an ihrem Leben teilnehmen. Weil die Evangelisch-methodistische Kirche als Teil der „einen heiligen, allgemeinen, apostolischen Kirche“ glaubt, dass der Herr der Kirche alle Christen zum Einssein ruft, strebt sie nach Einheit auf allen Gebieten kirchlichen Lebens.

 

Aufbau und Struktur

 

Die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich zählt derzeit 1.300 Mitglieder in zehn Gemeinden in Wien, Graz, St. Pölten, Linz, Ried im Innkreis, Salzburg und Bregenz. In Österreich begann die methodistische Arbeit im Jahre 1870 durch den Prediger Christian Dieterle in Wien. Die staatliche Anerkennung wurde im Jahre 1951 ausgesprochen. In der derzeit gültigen Verfassung heißt es:

                 

  • § 1. (1) Die Kirche führt den Namen „Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich“.
  • (2) Sie besteht aus einer einzigen Kultusgemeinde im Sinne der staatlichen Rechtsvorschriften über die Anerkennung von Religionsgemeinschaften und erstreckt ihre Tätigkeit auf das ganze Bundesgebiet der Republik Österreich. Ihr Sitz ist in Wien.
  • (3) Die Evangelisch-methodistische Kirche ist ein Teil der weltweiten Evangelisch-methodistischen Kirche.
  • § 2. (1) Die Glaubensgrundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche sind in der Kirchenordnung festgehalten.
  • (2) Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine evangelische Kirche. Sie glaubt, dass die Heilige Schrift die Grundlage des christlichen Glaubens und als Richtschnur des christlichen Lebens alles enthält, was zur Erlangung der Seligkeit notwendig ist. Sie hält am Apostolischen Glaubensbekenntnis fest und bekennt sich demnach zu der einen heiligen christlichen Kirche.

 

Die innere Struktur der Evangelisch-methodistischen Kirche ist nicht ohne die Einrichtung der Konferenzen zu verstehen. Konferenzen sind beratende und gesetzgebende Körperschaften; sie gliedern die Kirche und verbinden zugleich ihre vielfältigen Lebensäußerungen sinnvoll miteinander. Auf der lokalen Ebene besteht die Konferenz vor allem aus Laien, auf allen anderen Ebenen (regional und weltweit) sind Ordinierte und Laien paritätisch vertreten. Diese Konferenzstruktur erlaubt es der Evangelisch-methodistischen Kirche, weit gehende Freiheit auf lokaler Ebene mit gleichzeitiger Verantwortung für die Gesamtkirche zu verbinden. Die Ortsgemeinden bilden Bezirkskonferenzen und sind durch diese in die Jährliche Konferenz (Synode) und damit in die gesamte Evangelisch-methodistische Kirche eingebunden. Die Bezirkskonferenz umfasst alle Personen einer Ortsgemeinde, die irgendeine Aufgabe oder Verantwortung in der Ortsgemeinde wahrnehmen. Die Bezirkskonferenz tagt mindestens einmal im Jahr unter dem Vorsitz der Superintendentin bzw. des Superintendenten. Hier legen die Pastorin bzw. der Pastor und alle Mitarbeitenden Rechenschaft über ihre Tätigkeit ab.

 

Die „Jährlichen Konferenzen“ (Synoden) sind die grundlegenden Körperschaften der Evangelisch-methodistischen Kirche. Sie setzen sich in der Regel aus einer gleich großen Zahl von Pastoren und von Laien zusammen. Die Pastorinnen bzw. Pastoren werden bei ihrer Ordination als Mitglieder auf Lebenszeit in die Jährliche Konferenz aufgenommen. Die Laienvertreterinnen und -vertreter werden von den Bezirkskonferenzen für vier Jahre gewählt. Die gesamte Arbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich ist als Jährliche Konferenz organisiert. Die genauen Aufgaben der Jährlichen Konferenz sind in der Verfassung der Methodistenkirche in Österreich in den §§ 5 bis 8 festgelegt, in Übereinstimmung mit der Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche. Eine Jährliche Konferenz tagt immer unter dem Vorsitz einer Bischöfin bzw. eines Bischofs. Der für Österreich zuständige Bischof Dr. Patrick Streiff hat seinen Sitz in Zürich. In seiner Abwesenheit vertritt ihn der Superintendent.

 

Mehrere „Jährliche Konferenzen“ sind zu einer Zentralkonferenz zusammengefasst, die unter anderem für die Wahl der Bischöfinnen bzw. der Bischöfe zuständig sind. Sie teilen den Bischöfinnen bzw. den Bischöfen ihr Arbeitsgebiet zu und bilden jeweils einen Bischofssprengel. Die Bischöfin bzw. der Bischof ist für ihre bzw. seine Amtsführung der Zentralkonferenz verantwortlich. Die höchste Instanz auf Weltebene ist die Generalkonferenz. Ihr steht die Gesetzgebung in allen gesamtkirchlichen Angelegenheiten zu. Die Zentralkonferenz und die Generalkonferenz tagen alle vier Jahre. In Europa bestehen derzeit drei Zentralkonferenzen. Die Evangelisch-methodistische Kirche in Österreich gehört zur Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa. Diese umfasst „Jährliche Konferenzen“ in folgenden Ländern: Algerien, Albanien, Bulgarien, Kroatien, Frankreich, Mazedonien, Österreich, Polen, Serbien, Schweiz, Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die Evangelisch-methodistische Kirche ist Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich. Seit 1990 besteht mit der Evangelischen Kirche A. und H.B. offiziell Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Dies schließt die gegenseitige Anerkennung der Ordination und die Zusammenarbeit in vielen Bereichen (z.B. Religionsunterricht) ein.

 

Von Anfang an hat es die Evangelisch-methodistische Kirche als ihre grundlegende Aufgabe angesehen, in einer Zeit wachsender Glaubenslosigkeit Menschen in eine Glaubensbeziehung zu Gott einzuladen und schriftgemäße Heiligung über die Lande zu verbreiten. Schriftgemäße Heiligung findet nach methodistischem Verständnis Ausdruck in einem in Politik, Gesellschaft, Kultur und Familie verantwortungsvollen Leben, das bestimmt ist von Liebe zu Gott und allen Menschen.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/