Samstag 16. Dezember 2017

Syrisch-orthodoxe Kirche in Österreich

 

Die Syrisch-orthodoxe Kirche ist eine der christlichen Urkirchen, die ihre Entstehung auf die Missionstätigkeit der Apostel Paulus, Barnabas und Petrus in Antiochien sowie auf die der Apostel Taddäus und Thomas in Edessa zurückführt. Die Liturgie wird bis heute hauptsächlich in aramäischer Sprache gefeiert.

 

Bis zum Konzil von Ephesos im Jahre 431 verlief die kirchliche Entwicklung in Übereinstimmung mit der Kirche in Rom und in Konstantinopel. Theologische und politische Streitigkeiten im 5. Jahrhundert führten dazu, dass das Patriarchat von Antiochien die Beschlüsse des Konzils von Chalkedon im Jahre 451 nicht annahm und eine eigene kirchliche Tradition gegenüber den anderen Patriarchaten der katholischen Kirche begründete. Obwohl nicht so deutlich wie bei anderen kirchlichen Entwicklungen wurde die Auffassung der Syrisch-orthodoxen Kirche in der Vergangenheit im Abendland immer wieder als monophysitisch bezeichnet. Im Lichte der heutigen ökumenischen Bestrebungen wurde wiederholt darauf hingewiesen, dass diese Kirche letztlich nur im Sinne der Beschlüsse des Konzils von Ephesos in christologischer Hinsicht die Identität des Menschgewordenen mit dem Gottessohn besonders betonte, was in der Folge als Monophysitismus gedeutet wurde. Für die Ablehnung der Beschlüsse des Konzils von Chalkedon waren vielfach politische Umstände im Vorderen Orient maßgebend.

 

Die Anhängerinnen und Anhänger der Syrisch-orthodoxen Kirche leben heute im Wesentlichen in der Osttürkei, in Syrien, im Irak und im Libanon sowie in Australien, Indien und in Süd- und Nordamerika.

 

Ausbreitung in Österreich

 

Zu Beginn der 1960er Jahre kamen Arbeitsmigranten mit ihren Familien aus der Türkei nach Österreich, die vor allem in der Textilindustrie und im Textilgewerbe tätig und in der Umgebung von Wien in Gärtnereien beschäftigt sind. Die geistliche Betreuung lag in den Händen des aus der Osttürkei stammenden Priesters, Bischofsvikar Abuna (Vater) Emanuel Aydin (heute Chorepiskopos), der in der Türkei, im Libanon, in Wien und Rom Theologie sowie in Rom auch Kirchenrecht und Zivilrecht studiert hatte und der in verschiedenen Seelsorgebereichen tätig war und ist. 1974 wurde vom syrischen Patriarchen in Antiochien und dem gesamten Osten in Wien eine syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde gegründet. Diese wurde noch im selben Jahr in den Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich aufgenommen. Die Erzdiözese Wien stellte der Kirchengemeinde die alte Lainzer Pfarrkirche zur Verfügung, in welcher bis heute die Gottesdienste gefeiert werden. Derzeit unterhält die Gemeinde auch ein Kulturzentrum im 21. Wiener Gemeindebezirk.

 

Die Zahl der Angehörigen der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde wuchs von etwa 500 Personen in der Mitte der 1970er Jahre bis heute auf mehr als 5.000 Gläubige an. Dies erfolgte einerseits durch Zuwanderung von syrisch-orthodoxen Christen aus der Türkei, Syrien, Libanon und aus dem Irak, andererseits gründeten die ersten Angehörigen der Kirchengemeinde in Wien Familien. Fast 95 Prozent der heutigen Kirchenmitglieder erwarben in der Zwischenzeit die österreichische Staatsbürgerschaft.

 

In kirchlicher Hinsicht untersteht die Wiener Kirchengemeinde aufgrund des Status der Syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien vom 15. November 1981 dem Patriarchat von Antiochien und dem gesamten Osten mit dem Sitz in Damaskus. In gleicher Weise gelten für die Wiener Gemeinde die Statuten der Gemeinderäte aller zur Syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien gehörenden Diözesen vom 14. September 2002.

 

Trotz des Namens handelt es sich bei der Syrisch-orthodoxen Kirche nicht um eine orthodoxe Kirche im Sinne des Bundesgesetzes über äußere Rechtsverhältnisse der Griechisch-orientalischen Kirche in Österreich, sondern um eine altorientalische oder nicht chalkedonensische Kirche, die eine der ältesten christlichen Religionsgemeinschaften ist.

 

 

Schon in den vergangenen 25 Jahren hat sich die Syrisch-orthodoxe Kirche selbständig erhalten und war in der Lage, die religiösen Bedürfnisse ihrer Angehörigen voll sicherzustellen. Der Sprengel der Gemeinde bezieht sich vorerst – bis zur Gründung weiterer Gemeinden – auf ganz Österreich. Der Vorstand der Kirche besteht aus zwölf österreichischen Staatsbürgern.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/