Mittwoch 18. Oktober 2017

Russisch-orthodoxe Kirche zum Hl. Nikolaus

 

Die Geschichte der Russisch-orthodoxen Kirche in Österreich ist mit der Entwicklung der Beziehungen zwischen Österreich und Russland einerseits und mit der Existenz orthodoxer Gemeinschaften im alten Österreich andererseits eng verbunden. Die Bemühungen um die Gründung einer russisch-orthodoxen Kirche in Wien gehen auf die Zeit Peters I. zurück und zogen sich über einige Jahrzehnte hin. Seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Österreich und Russland gab es in Wien eine „russische Kolonie“, eine Gemeinschaft orthodoxer Russen, deren geistliche Betreuung zunächst von orthodoxen Priestern nicht russischer Nationalität (von Griechen und Serben) wahrgenommen wurde.

 

Der erste in Wien akkreditierte russische Botschafter, Graf Michael Bestuzew-Rjumin, unter-nahm die ersten Versuche, in Wien eine ständige russische Kirche einzurichten. Im Jahre 1750 berichtete er nach Petersburg, dass er den serbischen Mönchspriester Michael Bani beauftragt hatte, für ihn und seine Mitarbeiter orthodoxe Gottesdienste abzuhalten. 1762 kam der erste russisch-orthodoxe Priester, Simeon Matwejew, nach Wien. Die Gottesdienste wurden zunächst in einem Raum der Residenz des Botschafters abgehalten. Im Jahre 1765 wurden für die Wiener Botschaftskirche eigene Räumlichkeiten gemietet, in denen sich auch die Wohnungen des Priesters und seiner Mitarbeiter befanden. Auf diese Weise bildete sich in Wien eine orthodoxe Kirchengemeinde, zu der später nicht nur die Russen, sondern auch zahlreiche Angehörige der slawischen Bevölkerung Österreich-Ungarns zählten. Diese Entwicklung er-reichte einen Höhepunkt in jenen 42 Jahren, in denen der Erzpriester Michael Rajewskij (1842-1884) in Wien als Pfarrer der Russisch-orthodoxen Kirche wirkte.

 

Zu dieser Zeit wurde der Plan gefasst, ein eigenes Kirchengebäude für die russisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Wien zu errichten. Dieser Plan konnte schließlich in den Jahren 1893 bis1899 verwirklicht werden. Die Errichtung der Kirche zu Ehren des heiligen Nikolaus erfolgte auf dem Grundstück, das im 3. Wiener Gemeindebezirk zwischen Reisnerstraße, Bahngasse und der ehemaligen Richardgasse (heute Jaurèsgasse) für die kaiserlich-russische Botschaft erworben worden war.

 

Der Erste Weltkrieg unterbrach die Entwicklung der russisch-orthodoxen Gemeinde in Wien. In der Zwischenkriegszeit blieb die St.-Nikolaus-Kirche geschlossen; sie wurde erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wieder geöffnet. Die Gemeinde benützte während dieser Zeit gemietete Räumlichkeiten, die zur gottesdienstlichen Verwendung eingerichtet wurden.

 

Seit 1946 ist die St.-Nikolaus-Kirche Bischofssitz des russisch-orthodoxen Diözesanbischofs für Wien und Österreich. Die russisch-orthodoxe Diözese von Wien und Österreich wurde 1962 gegründet (und im Jahr 2013 staatlich anerkannt). Sitz des Bischofs ist die St.-Nikolaus-Kathedrale im dritten Bezirk in Wien. Die Diözese untersteht dem Patriarchat von Moskau unter Patriarch Kyrill I. Derzeit wird die Diözese von Bischof Mark von Egor'ersk geleitet, der als Administrator fungiert. Die Gemeinde besteht aus Gläubigen verschiedener Nationalität, die vorwiegend in Wien ansässig sind. Weitere gesetzlich anerkannte russisch-orthodoxe Gemeinden befinden sich in Graz und Linz. Insgesamt wird die Zahl der Gläubigen der russisch-orthodoxen Diözese In Österreich auf rund 40.000 geschätzt.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/