Samstag 19. August 2017

Rumänisch-griechisch-orientlische Kirchengemeinde zur Hl. Auferstehung (Rumänisch-orthodoxe Kirche)

 

Die Rumänisch-orthodoxe Kirche geht auf die Missionstätigkeit des Heiligen Apostels Andreas zurück, der das Evangelium in der alten römischen Provinz Scythia Minor (heute im Südosten Rumänien) verkündet hat. Im Jahr 1885 erlangte die Rumänisch-orthodoxe Kirche ihre Selbständigkeit – die Autokephalie – und wurde 1925 zu einem Patriarchat erklärt. Sie befindet sich in voller dogmatischer, liturgischer und kanonischer Einheit mit den anderen orthodoxen Kirchen.

 

Die Rumänisch-Orthodoxe Kirche ist mit ca. 24 Mio. Mitgliedern (87 % der Bevölkerung) die zweitgrößte nach dem Moskauer Patriarchat. Die heilige Synode der Rumänisch-orthodoxen Kirche besteht aus 53 Mitgliedern (Patriarch, 8 Metropoliten, 5 Erzbischöfe, 24 Diözesanbischöfe, 2 Patriarchal Vikarbischöfe, 10 Vikarbischöfe und 3 Weihbischöfe).

 

In Rumänien bestehen 28 Diözesen, 175 Dekanate mit 14.537 Priestern und Diakonen, die in 15.717 Kirchengebäuden zelebrieren, sowie 13 Diözesen in der Diaspora mit 513 Priestern und Diakonen. In Rumänien gibt es 359 Klöster, in denen 2.810 Mönche und 4.795 Nonnen (insgesamt 7.605, im Jahre 1989 waren es lediglich 2.511) leben. Außerdem gibt es noch 15 theologische Fakultäten (im Jahre 1989 gab es nur 2) mit 12.244 Studenten und 10.479 Religionslehrerinnen und Religionslehrer. Seit dem Ende des Kommunismus wurden in Rumänien fast 2.000 neue Kirchen gebaut und 345 Sozialeinrichtungen aufgebaut.

 

Die Rumänisch-orthodoxe Kirche ist seit 1961 Mitglied des Weltkirchenrates, der Konferenz europäischer Kirchen und pflegt gute Beziehungen zu allen orthodoxen Kirchen sowie zu den anderen christlichen Kirchen als praktisches Zeichen der Fürbitte Christi für alle Glaubenden: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin“ (Joh 17,21).

 

Die politischen Beziehungen zwischen Österreich und Rumänien haben die Ansiedlung von Rumäninnen und Rumänen in Österreich (vorwiegend in Wien) in Geschichte und Gegenwart stark beeinflusst. Vor allem in der Zeit, da einzelne rumänische Provinzen Teile des Habsburger-Reiches waren – Siebenbürgen (1688-1918), Kleine Walachei (1718-1739), Banat (1718-1918) und die Bukowina (1775-1918) –, kamen viele Rumäninnen und Rumänen nach Wien. In Begleitung mancher rumänischer Fürsten („Woiwoden“) gelangten auch ihre Berater in die Haupt- und Residenzstadt, wo sie sich niederließen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kamen einige Rumäninnen und Rumänen nach Österreich.

 

Neben den politischen wurden auch zahlreiche wirtschaftliche Kontakte zwischen den beiden Ländern geknüpft. Bereits im 15. Jahrhundert war der Handel rege und breit gefächert. Die wirtschaftlichen Beziehungen waren so vielfältig, dass es zur Gründung von rumänischen „Handelskompanien“ mit zahlreichem Personal, das sich aus Handelsfamilien oder aus anderen Volksgruppen rekrutierte, kam. Manche von ihnen ließen sich für immer in Wien nieder.

 

Früh etablierten sich auch kulturelle Beziehungen der rumänischen Gemeinde zu Wien. Rumänische Studenten – anfänglich mit latinisierten Namen – inskribierten schon im 14. bis 16. Jahrhundert an der Wiener Universität (Latislaus Wolochus, 1391; Johannes dictus Olàh, 1398; Simon de Olàh, 1527, u. a.).

 

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts, als rumänisch-unierte (griechisch-katholische) Studenten Aufnahme in dem für sie und für die Ruthenen gegründeten Seminar bei der Barbarakirche fanden, wirkte dort der große rumänische Gelehrte Samuil Micu als Studienpräfekt.

 

In den folgenden Jahrzehnten nahm der Zustrom rumänischer Studenten nach Wien noch kräftig zu. Sie organisierten sich in zwei kulturellen Gesellschaften, die sich im Jahr 1871 zu einer einzigen zusammenschlossen, der berühmten akademisch-literarischen Gesellschaft „România Junã“ (Junges Rumänien). In ihrem Rahmen tat sich eine ganze Reihe bedeutender Männer auf dem Gebiet der Literatur, der Kunst und der wissenschaftlicher Forschung hervor.

 

Im Bereich des Betty-Roose-Wegs (13. Wiener Gemeindebezirk) besteht seit dem Jahre 1683 ein Kreuzaltar, der vom rumänischen Fürsten Serban Cantacuzino an jener Stelle, wo er mit seinen Soldaten und dem Priester sein tägliches Gebet sprach, errichtet wurde. Was das kirchliche Leben anbelangt, feierten die orthodoxen Rumänen Wiens anfänglich ihre Gottesdienste zusammen mit den Orthodoxen anderer Nationalitäten in der Kapelle „Zum Hl. Georg“, die im Jahre 1730 errichtet wurde.

 

Im Jahre 1787 erbauten sie dann gemeinsam mit den Griechen eine eigene Kirche (1. Wiener Gemeindebezirk, Fleischmarkt 13). Kaiser Joseph II. approbierte ihre Organisation durch ein besonderes Privileg, das von seinen Nachfolgern bestätigt wurde. Die Rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde wurde der Juris-diktion der Metropolie von Czernowitz unterstellt.

 

Da die Rumänen ihre Liturgie in ihrer eigenen Sprache hören wollten, gründeten sie Ende des 19. Jahrhunderts eine eigene orthodoxe Kirchengemeinde. Als erster Schritt auf diesem Weg wurde in der Löwelstraße (1. Wiener Gemeindebezirk) eine Wohnung gemietet, die als Kapelle eingerichtet wurde; sie wird auch heute noch als solche genutzt. Diese Kapelle wurde am 7. Jänner 1907 eingeweiht und eröffnet sowie der Jurisdiktion der Metropolie von Czernowitz unterstellt. Gleichzeitig wurden ein Priester und ein Kantor bestellt und ein Chor gegründet, der zu Beginn unter der Leitung des Komponisten und Dirigenten Gheorghe Dima stand. 1967 wurde die alte Kapelle restauriert, bemalt und mit einer neuen Ikonenwand aus Eichenholz versehen.

 

Diese erste Kultstätte wurde bald zum religiös-kulturellen Mittelpunkt der Rumäninnen und Rumänen in Wien; auch eine rumänische Schule wurde hier eröffnet. Bald wurde die Kapelle jedoch zu klein. Deshalb gründeten führende Persönlichkeiten der rumänischen Gemeinde in Wien anlässlich des 60. Regierungsjubiläums des Kaisers (1908) den „Rumänisch-griechisch-orientalischen Kaiser-Jubiläums-Kirchenbau- und Kirchengemeindegründungs-Verein in Wien“. Dieser Verein sammelte fast zehn Jahre hindurch bedeutende Geldbeträge, die einem eigenen Baufonds zugeführt wurden.

 

Leider wurde das Fondsvermögen infolge der Ereignisse des Ersten Weltkrieges wertlos, in den folgenden Jahren war eine Wiederaufnahme dieser gut gemeinten Absicht nicht mehr möglich. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, vor allem aber die Geldentwertung vereitelten den Wunsch nach einer eigenen rumänischen Kirche. Der Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus konnte schließlich im Jahre 2003 durch den Bau einer rumänisch-orthodoxen Kirche mit einem dazugehörigen Gemeindezentrum im 11. Wiener Gemeindebezirk, Simmeringer Hauptstraße 161 verwirklicht werden. Diese Kirche ist dem Hl. Andreas, dem Patron Rumäniens gewidmet. Die Andreas-Kirche in Wien wurde von Seiner Seligkeit dem Patriarchen Daniel I. am 14. Juni 2009 geweiht.

 

Durch das Orthodoxengesetz (1967) wurde die rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Wien als Körperschaft öffentlichen Rechts bestätigt. Rumänisch-orthodoxe Kirchengemeinden wurden auch in Salzburg und Graz organisiert. Die Rumänisch-orthodoxe Kirche in Österreich gehört zur Rumänisch-orthodoxen Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa, die ab Juni 1994 von Seiner Eminenz Metropolit Dr. Serafim Joantã geleitet wird.

 

Zu den hochrangigen ökumenischen Kontakten, die die Pfarre organisiert, zählen der Besuch des Patriarchen Justinian im Jahre 1968 und der Besuch, den der derzeitige Patriarch Teoctist im Juni 1987 der katholischen Kirche Österreichs anlässlich der 200-Jahr-Feier der Anerkennung der rumänischen Gemeinde Wiens durch Joseph II. im Jahr 1787 und anlässlich der 80-Jahr-Feier des Bestehens der rumänischen Kapelle abstattete.

 

Die rumänisch-orthodoxe Pfarre in Wien, die seit 1993 von Pfarrer Dr. Nicolae Dura geleitet wird, zählt 1.200 Familien; am Gottesdienst nehmen aber auch rumänische Touristen und Interessierte, die die rumänisch-orthodoxe Liturgie kennen lernen wollen, teil. Die Pfarre organisiert auch Bibelgespräche sowie Senioren- und Jugendtreffen. In den öffentlichen Wiener Schulen gibt es einen rumänisch-orthodoxen Religionsunterricht.

 

Die rumänisch-orthodoxe Pfarre unterhält gute Beziehungen sowohl zur Erzdiözese Wien als auch zur Evangelischen Kirche, Altkatholischen Kirche und zur Stiftung „Pro Oriente“. Sie pflegt den direkten Kontakt zu manchen Pfarren in und außerhalb Wiens, wo sie die Liturgie feiert und Kirchenkonzerte oder ökumenische Gottesdienste veranstaltet. In Österreich gibt es noch sechs rumänisch-orthodoxe Pfarren, und zwar in: Salzburg, Graz, Linz, Knittelfeld, Klagenfurt und Feldkirch. Den rumänisch orthodoxen Gläubigen in Österreich (etwa 20.000) stehen drei eigene Kirchen in Wien, Salzburg und Knittelfeld zur Verfügung.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/