Mittwoch 18. Oktober 2017

Serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde zum Hl. Sava (Serbisch-orthodoxe Kirche)

 

Die in Wien angesiedelten Serben gründeten 1860 eine eigene Kirchengemeinde. Bis zu diesem Zeitpunkt benützten sie die Griechisch-orientalische Kirche in Wien, die um 1730, unter anderem auch mit Hilfe der Serben, entstanden ist. Diese Kirchengemeinde stand von 1726 bis 1863 unter der geistlichen Jurisdiktion des Metropoliten von Karlowitz (Sremski Karlovci). Eine solche Gemeinschaft konnte aber aus sprachlichen, ethnischen und anderen Gründen nicht dauerhaft bestehen. Deshalb beschloss eine Gruppe nationalbewusster, wohlhabender Serben, Beamte und Angestellte im staatlichen Dienst mit Hofrat Georgije Stojković an der Spitze, eine serbisch-orthodoxe Gemeinde zu gründen.

 

Sie wandten sich an den damaligen serbischen Patriarchen Josif Rajačić in Karlowitz mit der Bitte um Vermittlung beim Kaiser. Der Patriarch intervenierte, und mit einem kaiserlichen Schreiben von 27. September 1860 wurde Stojković beauftragt, einen provisorischen Ausschuss zu gründen und Kontakte mit der Wiener Polizei und dem Ministerium aufzunehmen. In diesem Schreiben wurde der Gemein-de ein Grundstück für den Bau einer Kirche und eines Pfarrhauses versprochen. Zur Gründungsversammlung am 27. November 1860 waren etwa 1.000 in Wien lebende Serben geladen.

 

Die vorgelegten Statuten wurden genehmigt, der Anfang für eine Serbisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Wien damit gemacht. Der in dem kaiserlichen Schreiben versprochene Baugrund für die Kirche wurde in einem Grundstück am Franz-Josephs-Kai gefunden, ebenso wurde der serbischen Gemeinde eine Parzelle auf dem Wiener Zentralfriedhof (Serbische Abteilung 68b), nahe der dritten Aufbahrungshalle, zugeteilt.

 

Kriege und Krisen, aber auch Geldmangel verzögerten die Ausführung des Planes. Der vom Wiener Magistrat bestimmte Bauplatz am Franz-Josephs-Kai wurde einbehalten, die Serbisch-orthodoxe Gemeinde musste um 27.000 Gulden ein neues Grundstück in der Veithgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk kaufen. Der Kirchen- bzw. Hausbau dauerte drei Jahre, die Einweihung erfolgte schließlich am 19. November 1893. Die Kirche wurde dem Hl. Sava, dem ersten serbischen Erzbischof und Begründer der autokephalen serbischen Kirche, geweiht. Kaiser Franz Joseph wohnte der feierlichen Einweihung bei. Als erster Pfarrer der neuen serbischen Kirche kam Erzpriester Mihajlo Mišić nach Wien.

 

Die Periode zwischen dem Kirchenbau und dem Ersten Weltkrieg kann als die fruchtbarste im Gemeindeleben der Serben in Wien bezeichnet werden. Nach dem Krieg wanderten viele Serben aus wirtschaftlichen Gründen in ihre Heimat zurück. In der Zwischenkriegszeit blieb die Kirche für alle in Wien lebenden Serben offen und stellte auch einen wichtigen Kontaktpunkt zwischen dem jugoslawischen Königreich und der österreichischen Regierung dar. Im Zuge des Zweiten Weltkrieges kamen wieder viele serbische Emigranten nach Wien.1969 wurde im Belgrader Serbisch-orthodoxen Patriarchat eine Diözese für Westeuropa gegründet, der auch die Wiener Kirchengemeinde angegliedert wurde. Zwischenzeitlich wurden daraus drei Diözesen: die Diözese Westeuropa mit Sitz in Paris (F),  die Diözese Mitteleuropa mit Sitz in Himmelsthür (D),  die Diözese für Großbritannien und Skandinavien mit Sitz in Stockholm (S).

 

1974 entstand unter Mithilfe und Mitwirkung verschiedener kirchlicher Organisationen in Österreich ein Zentrum für serbisch-orthodoxe Gastarbeiter, das sich sehr schnell zu einem Pfarrzentrum entwickelte und lange Zeit die einzige Betreuungsstelle in religiösen, kulturellen und sozialen Belangen darstellte. Dieses Zentrum wurde 2001 renoviert und im Jahr darauf von Bischof Konstantin gesegnet. Dabei handelt es sich um die Kirche zur Himmelfahrt Marias im 17. Wiener Gemeindebezirk, Steinergasse 3.

 

Seit 2002 gibt es auch ein drittes Gebetshaus für die Gläubigen der Serbisch-orthodoxen Kirche, das sich in der Engerthstraße 158 im 2. Wiener Gemeindebezirk befindet und das der Auferstehung Christi geweiht ist. Ursprünglich handelt es sich bei dem Gebäude um eine Straßenbahngarage, die zu einem Kirchengebäude umgebaut wurde. Am 26. Oktober 2002 fand die Einweihung im Rahmen einer kleinen Feier statt. Im Jahr 2006 fügte man einen Saal und zwei Kirchentürme an, die im Rahmen einer großen Feierlichkeit am 30. September 2007 eingeweiht wurden.

 

Außer in Wien, wo zur Zeit sieben Pfarrer und ein Diakon in drei Kirchen zelebrieren, bestehen serbische Pfarren auch in Tulln, St. Pölten, Wiener Neustadt, Enns, Linz, Gmunden, Salz-burg, Saalfelden, Kufstein, Innsbruck, Graz, Klagenfurt und in Bregenz.

 

Der Heilige Synod der serbisch-orthodoxen Kirche begründete 2011 die serbisch-orthodoxe Eparchie (Diözese) für Österreich, die Schweiz und Italien mit Sitz in Wien, die derzeit von Bischof Irinej (Bulovic) von Backa/Novi Sad mitverwaltet wird.

 

In Wien leben etwa 100.000 Orthodoxe, bei denen es sich um Serben und Roma aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien handelt, die Staatsbürger der jeweiligen Länder geblieben sind. Darüber hinaus haben zehntausende Serben und Roma die österreichische Staatsbürgerschaft angenommen haben. Die Schätzungen der serbisch-orthodoxen Gläubigen in Österreich gehen aber sogar bis zu 300.000.

 

Seit 1992 erteilt die Serbisch-orthodoxe Kirche an Volksschulen, Hauptschulen, AHS und BHS Religionsunterricht.

 

Die Serbisch-orthodoxe Kirche ist eine autokephale Kirche in voller kanonischer Einheit mit den anderen orthodoxen Kirchen. Sie steht im Rang eines Patriarchates mit dem Sitze in Belgrad. Ihre Selbständigkeit erlangte sie 1219 und wurde 1346 zum Patriarchat ausgerufen. Die Kirche zählt heute weltweit 40 Diözesen und Metropolitanate; davon u. a. fünf in den USA und Kanada, eine für Australien und Neuseeland sowie drei in Westeuropa.

 

Die Serbisch-orthodoxe Kirche ist Mitglied des Weltkirchenrates, der Konferenz europäischer Kirchen. Sie pflegt gute Beziehungen zu den orthodoxen Schwesterkirchen sowie zu den anderen christlichen Kirchen und bemüht sich, die ökumenischen Beziehungen zu intensivieren.

 

 


 

Quellen: Religionen in Österreich (Online-Broschüre des Bundeskanzleramtes)


Initiative von anerkannten Kirchen und
Religionsgesellschaften in Österreich
http://www.proreligion.at/